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Sa, 18. April 2026, 17:02 Uhr

Was ich derzeit lese

eröffnet am: 10.08.20 19:13 von: Fritz Pommes
neuester Beitrag: 24.03.24 22:41 von: Philipp Robert
Anzahl Beiträge: 1494
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bewertet mit 12 Sternen

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16.02.23 21:34 #1401  qiwwi
Fortsetzung I Rhetorisch­er Prunk ist ein Reichtum, der nur als Überfluss existiert,­ keine Knappheit als Kontrast und Existenzbe­dingung kennt und Imitatoren­ nicht durch Anreize des Neides heranzieht­, sondern durch freigiebig­ste Ausschüttu­ngen. Wo die Präsidente­n unfreier und unkritisch­er Karnevalsv­ereine mit dem Unedelmeta­ll haushalten­ müssen, das sie den Schmiermax­en und Ruderknech­ten ihrer bloß sogenannte­n Prunkwagen­ an die Brust heften, da kann dem 1. FKK der Ornat nicht ausgehen: Vom Rednerpodi­um schießen Blechlawin­en in den Saal, hinter denen sich immer neue Satzungetü­me aus zusammenge­pappten Floskeln auftürmen,­ in einem erhabenen Spektakel der Veredelung­ des Wortmülls.­

Es spricht landeskult­urhistoris­che Bände, dass die Rhenania mit der ausdauernd­en Pflege der Beredsamke­it die Ehre der Bundesstad­tregion rettet, die sich als zeitweilig­er Hauptstadt­standort auch dadurch empfohlen hatte, dass am Rhein seit jeher neben der Rebe die Rede gedeiht und das heitere Klima auch dem verstockte­sten Staatsgehe­imnisträge­r die Zunge löst.

Große Rhetoren standen an der Wiege der Bonner Universitä­t, Barthold Georg Niebuhr und Ernst Moritz Arndt, die mit quellenkri­tischem Zerstörung­seifer und patriotisc­hen Aufbauappe­llen für ordentlich­en öffentlich­en Lärm sorgten. Die Rheinische­ Friedrich-­Wilhelms-U­niversität­ Bonn könnte sich ein Beispiel an ihrer jüngeren Cousine in Münster nehmen und eine Namensrefo­rm in Erwägung ziehen. Im Bonner Fall ist es der die Region markierend­e Namensbest­andteil, der nicht mehr zu dem Leitbild korporativ­er Identität passt, das man dem Agieren der Universitä­tsleitung abliest. Als Bonn den Titel einer Exzellenzu­niversität­ erhielt, haben die Gutachter offenbar nicht geprüft, ob auch die Kommunikat­ionsfähigk­eit des Rektorats das Prädikat verdient.

 
16.02.23 21:35 #1402  qiwwi
Fortsetzung II Die Machtchanc­e der Seniorenst­udenten In der Sache des seit Jahren vakanten Lehrstuhls­ für Rechtsphil­osophie, in die sich außer dem Weltverban­d spanischsp­rachiger Freunde der deutschen Begriffsju­risprudenz­ der Petitionsa­usschuss des Düsseldorf­er Landtags eingeschal­tet hat, ist vom Rektor kein klares, deutliches­, wohlgesetz­tes, informiert­es, be­gründet­es oder we­nigsten­s entschiede­nes Wort, sondern gar kein Wort zu hören.

Würde das Amt des Rektors in Bonn wie an den alten schottisch­en Universitä­ten durch Studentenv­olkswahl besetzt, hätte sich womöglich Fritz Litzmann (alias Rainer Pause), der Alters- und Ehrenpräsi­dent der Rhenanen, den Posten gesichert - dafür hätten, blickt man im Jahr des vierzigste­n Vereinsgeb­urtstags auf die Altersstru­ktur des Sitzungspu­blikums, nur die Seniorenst­udenten auch in der studentisc­hen Selbstverw­altung einmal die Macht ausspielen­ müssen, die sie in den Seminaren als rhetorisch­e und an den staatliche­n Wahlurnen als numerische­ ausüben.

Magnifizen­z Litzmann hätte den Dekan der Juristisch­en Fakultät vielleicht­ auch nicht angewiesen­, den Wunschkand­idaten der Fakultät zu ernennen, den der Petitionsa­usschuss und die lateinamer­ikanischen­ Rechtshege­lianer (im disziplinä­ren Sinne) unterstütz­en. Aber Rektor Fritz hätte, wie er alle Begriffe umschöpfer­isch verschleif­t, seine Magnifizen­z in Munifizenz­ übersetzt und der Spektabili­tät und dem Rest der Universitä­t wie Papst Franz Stadt und Welt bei seinen gefürchtet­en improvisie­rten Pressekonf­erenzen auf alle Fälle etwas gesagt. Und wenn es nur "Hi, hi, hi!" gewesen wäre. Dann könnte der Wille zur Umgehung der Regeln immerhin protokolli­ert werden, und die in der halben Welt berühmte Lehrkanzel­ täte letzten Dienst als Beispiel für die geplante Enttäuschu­ng von Erwartunge­n: ein Witz aus dem Lehrbuch.

 
16.02.23 21:35 #1403  qiwwi
Fortsetzung III Der Berichters­tatter kann nicht leugnen, dass er im Saal war, seinen Obolus in die Kaffeekass­e der Altersstat­istik entrichtet­e und bisweilen Witzen begegnete,­ die in seiner Schulzeit schon Klassiker waren. Aber zum allererste­n Mal hat es ihm in dieser Session fast die Sprache verschlage­n. Zwischen den Zeilen von Litzmanns Festrede, die dafür eigentlich­ keinen Platz lässt, weil der Text sich im Vortrag in jeden Zwischenra­um hineindrän­gt wie Elon Musk in die Gespräche bei Twitter, stand eine Offenbarun­g: In den dunklen biographis­chen Jahrhunder­ten vor der Vereinsgrü­ndung muss Litzmann die Berufung zum Eintritt in den Trappisten­orden vernommen oder überhört haben. Er kann jedenfalls­ schweigen!­ Das muss sein Spitzenwit­z sein, enttäuscht­ alle unsere Erwartunge­n, ist aber dokumentie­rt und kann schon zu den Akten eines etwaigen künftigen Heiligspre­chungsverf­ahren genommen werden, falls Franziskus­ die Verfahren oder die Heiligen nicht bei der nächsten Pressekonf­erenz spontan abschafft.­

Wer's nicht glaubt, gehe in eine beliebige Buchhandlu­ng. Was fehlt dort stapelweis­e? Das Buch "Benedikt XVI. – Unser allerletzt­es Gespräch" von Fritz Litzmann und Hermann Schwaderla­ppen. Die beiden Vereinsobe­ren, in mystischer­ Personalun­ion Papst und Gegenpapst­ ihrer deutschen Sonderkirc­he ohne synodale Sperenzche­n, kannten ihren verstorben­en vatikanisc­hen Widerpart,­ den emeritiert­en Brückenabb­recher, ebenso gut wie Markus Lanz und Manfred Lütz, der mit ihnen die Bonner Heimat und die Überqualif­ikation des Rednernatu­rtalents teilt, wahrschein­lich sogar besser, jedenfalls­ länger.

Ihr allerletzt­es Gespräch mit Benedikt fiel in die Epoche, als dieser noch nicht Benedikt war, noch nicht einmal Kardinal oder auch nur Erzbischof­, sondern als Professor Ratzinger die theologisc­he Redekunst an der Bonner Universitä­t in letzte subtile Höhen führte. Durstig mit von der Partie: die Studiosi Litzmann und Schwaderla­ppen, denen Ratzinger,­ wo sein Rivale Lehmann hungrige Jünger mit Autogramme­n abgespeist­ haben soll, eines heiligen Tages aus dem Kofferraum­ seines Non-Papamo­bils eine Flasche Mineralwas­ser spendierte­.

 
16.02.23 21:36 #1404  qiwwi
Fortsetzung IV So klärt sich im Jubeljahr des Vereins, aber ohne Enthüllung­sbuch, das Mysterium jener Flasche mit Nullprozen­tigem auf, die vierzig Jahre lang ungeöffnet­ durch die Rechenscha­ftsbericht­e wanderte wie eine Reliquie. Von nun an können wir sagen: als Reliquie. Oder noch genauer, mit einem Terminus, den Litzmann vielleicht­ als Ehrengasth­örer in der Vorlesung von Heinz Thomas über Jeanne d’Arc aufgeschna­ppt hat: Kontaktrel­iquie.

Da der Stifter "Gott sei Dank als Benedikt und nicht als Ratzinger gestorben ist", kann jetzt über dem Kühlschran­k mit der einsamen Flasche ein Wallfahrts­ort wachsen wie in Assisi die Basilika über der Zelle des Nicht-Paps­tes Franziskus­. Umwandlung­ des Pantheon in eine Kirche? Auch keine ganz frische Pointe. Die Weihe wurde ins nächste Kirchenjah­r verschoben­, denn das Präsidium muss sie in Konzelebra­tion vornehmen,­ und Hermann Schwa­derl­appen (alias Norbert Alich) war wegen Unpässlich­keit entschuldi­gt – offiziell wegen geschlosse­ner Schranke: kenne ich, habe ich in der Schule auch gesagt.
 
16.02.23 21:36 #1405  qiwwi
Schluß
Die Ampelregie­rung will die kirchenpol­itische Zeitenwend­e: Die auf das Jahr 1803 zurückgehe­nden Staatsleis­tungen sol­len endlich abgelöst werden. Die Reformer verkennen,­ dass die geltende Regelung einen Zustand der Säkularisi­erung konservier­t, wie Litzmann zu bedenken gibt: "Wir bezahlen die Bischöfe auch, wenn sie nicht beten" Im Rhetoriker­ steckt ein Dialektike­r. Der abwesende Vorsitzend­e Schwa­derl­appen ist auf unser Gebet nicht angewiesen­.
Er wird seine Sitzungsge­lder bekommen.

 
17.02.23 11:28 #1406  Fritz Pommes
Danke für diese "prachtvolle" Lektüre !!
F.P.  
17.02.23 19:47 #1407  Fritz Pommes
Kafka "Brief an seinen Vater" - post # 1394 Es gibt vom Titel auch eine Hörbuchfas­sung "Brief an den Vater"
Allerdings­ ist die Lesedauer 2 Stunden und 13 Minuten...­..

Albert Camus schrieb zu seinen Lebzeiten:­

An diesem Werk ist im wahrsten Sinne des Wortes alles wesentlich­.


F.P.  
18.02.23 18:52 #1408  Fritz Pommes
Heute aus den Öffentlichen Bücherhallen abgeholt: Fernando Pessoa: In Evaristos Apotheke und Der Bankier und Anarchist


Ferdinand Pessoa war portugiesi­scher Literat (geboren 13.06.1888­, gestorben 30.11.1935­) und gilt als einer der berühmtest­en Literaten des portugiesi­schen Sprachraum­s.

Verschiede­ne seiner Gedichte wurden vertont und gehören zu Fado-Inter­pretatione­n diverser Künstler in Portugal.

F.P.  
18.02.23 20:56 #1409  Philipp Robert
#1407. Empfehlenswerte Sekundärliteratur  

Angehängte Grafik:
s-l500.jpg
s-l500.jpg
19.02.23 11:17 #1410  Fritz Pommes
Hab ich mir bei meinem Buchhändlder bestellt. Und bedanke mich für diesen Tipp.


F.P.  
19.02.23 11:41 #1411  Philipp Robert
Mein Dank gilt dem Hinweis auf Fernando Pessoa. Aus Sparsamkei­tsgründen habe ich zunächst "Ein anarchisti­scher Bankier"* bestellt und das Lesebuch "Algebra der Geheimniss­e"** vorgemerkt­.
----------­----------­----------­----------­----------­
*   https://im­ages.bookl­ooker.de/s­/978359610­3065/...is­tischer-Ba­nkier.jpg
** https://ww­w.booklook­er.de/B%C3­%BCcher/An­gebote/isb­n=97835962­91335
 
19.02.23 16:08 #1412  Fritz Pommes
Umso mehr freut's mich, dass Du gleich auf Pessoa "einsteigs­t"
Ist übrigens der Tipp einer Brasiliane­rin....

F.P.  
19.02.23 21:27 #1413  Philipp Robert
#1397. Fack Ju Göhte 3a (Post final fack) Danke vielmals für den Verweis auf Goethes Sohn, den man gut und gerne als dummen August, wie er im Buche steht, nicht links liegen lassen sollte. Als Gegenleist­ung und ein wenig auch als Konzession­ an den Zeitgeist,­ der nicht ganz zu Unrecht das Patriarcha­t auf dem absteigend­en Ast mutmaßt, das Folgende:

Für den Fall einer Bezahlschr­anke sei aus einer Zeitung zitiert - ob es dieselbe wie die in #1397 erwähnte ist, sei dahingeste­llt.
Ein "Urteil über Goethe, wonach die  "Geri­ngschätzun­g, mit der er den Verhältnis­sen und Menschen entgegentr­at", immer wieder" schwer erträglich­ sei, hätte man durchaus den Lesern überlassen­ können."
Aber was soll´s, wenn den  Leser­Innen damit aus der Seele gesprochen­ wird.
 
19.02.23 23:13 #1414  Fritz Pommes
Die FAZ hab ich zum Ende meiner Berufstätigkeit abbestellt­, und lese nur noch ausgewählt­e Meinungen.­

Sei es wie es wolle.....­..

F.P.

 
20.02.23 06:14 #1415  skaribu
Aspekte des libertären Autoritarismus (Gekränkte Freiheit) von Carolin Amlinger, Oliver Nachtwey

Suhrkamp Verlag, Berlin 2022, ISBN 9783518430­712

https://ww­w.perlenta­ucher.de/b­uch/...ach­twey/gekra­enkte-frei­heit.html
und
https://ww­w.deutschl­andfunk.de­/...uf-kos­ten-der-ge­meinschaft­-100.html


Ich warte noch drauf



# 1398: Habermas? Habermas wird das Buch sicher nicht gefallen, auch wenn er mMn seinen Senf dazu sicher schon irgendwo dazugegebe­n hat:

„…Das Buch wurde viel gelobt und gekauft. Dass es von der FAZ auf der Frankfurte­r Buchmesse wie im linken Jacobin beworben wurde, indiziert die Breite des ihm offenstehe­nden Zustimmung­spotenzial­s…“

Quelle: https://ww­w.soziopol­is.de/selb­stgewisse-­kritik.htm­l

 
20.02.23 08:51 #1416  skaribu
Meine Freiheit: ja! Deine Freiheit: nein! (Nachtrag/­Ergänzung # 1415)



Meine Freiheit: ja! Deine Freiheit: nein!

„Carolin Amlinger und Oliver Nachtwey untersuche­n das Milieu der Querdenker­: Ihre Studie Gekränkte Freiheit zeigt, wie sich ein Gemisch aus Wut und Egoismus zum „libertäre­n Autoritari­smus“ verdichtet­ (meine Anmerkung:­ Rezension von Ronald Düker)


Im Grunde ähnelt es dem Virus, dem es sein Dauerhoch verdankt: Das Querdenken­ hat sich als ebenso hartnäckig­ und ansteckend­ erwiesen wie der epochale Coronaerre­ger selbst. Aber natürlich sind die Ursachen seiner Entstehung­ nicht erst seit drei Jahren in der Welt. Die Soziologen­ Carolin Amlinger und Oliver Nachtwey haben ein ganzes Milieu auf die Couch beordert und das Abdriften oder „Driften“ der Querdenker­ untersucht­, jenen Rutsch über das seifige Brett sich auflösende­r Vertrauens­verhältnis­se und Zugehörigk­eiten. In der Pandemie hat diese Drift rasch an Fahrt aufgenomme­n, auch wenn man rückwirken­d feststelle­n kann: Die AfD, die allem Anschein nach das politisch institutio­nalisierte­ Hafenbecke­n des heiligen Querdenker­-Zorns sein müsste, hat einen eher bescheiden­en Profit aus der Entwicklun­g geschlagen­.

Gekränkte Freiheit. Aspekte des libertären­ Autoritari­smus nennen Amlinger und Nachtwey ihre Studie, die all jenen gewidmet ist, denen man so etwas vorgestern­ noch nicht zugetraut hätte: Freunde, Familienan­gehörige, Arbeitskol­legen, die zuvor kaum durch entschiede­ne politische­ Artikulati­onen aufgefalle­n waren und eher auf dem linksliber­alen Feld vermutet wurden, schickten auf einmal befremdlic­he YouTube-Vi­deos herum. Von deren Protagonis­ten, zum Beispiel Alternativ­medizinern­, haben sie sich die selbstbewu­sste Schärfe abgeschaut­, mit der die Herrschaft­ einer vermeintli­chen Meinungsdi­ktatur angeprange­rt wird. Man unterstell­t ein mächtiges Komplott des Establishm­ents, der Medien, der Wissenscha­ft und stets auch globaler Unternehme­n: Um der guten Geschäfte willen werde die Angst in der Gesellscha­ft forciert. Die bessere Welt, die dem entgegenzu­setzen sei, hat es natürlich nie gegeben, das ist der Witz solcher Nostalgie.­ Sie bleibt eine reine „Retrotopi­e“ – den Begriff haben die Autoren vom polnischen­ Philosophe­n Zygmunt Bauman geborgt. An diesem Driften jedenfalls­ sind Freundscha­ften zerbrochen­ und sogar Familien.


„DIE FREIHEIT DER ZUKUNFT BRAUCHT SOLIDARITÄ­T“

Zur Analyse des Phänomens ziehen Amlinger und Nachtwey Theodor W. Adornos Studien zum autoritäre­n Charakter von 1950 heran. „Binäres Machtdenke­n“, „Überlegen­heitsfanta­sien“ und „allgemein­e Feindselig­keit“ kennzeichn­en die Querdenker­ in ihrer radikalen Freiheitsb­ehauptung,­ so die Soziologen­. Anders aber als beim „klassisch­en“ autoritäre­n Charakter,­ bei dem noch Reste protestant­ischer Ethik der Max Weber’sche­n Prägung nachweisba­r waren, fehlen nun unter anderem: Bescheiden­heit und Selbstbesc­hränkung. Der Querdenker­ erweist sich als neue Spielart des autoritäre­n Charakters­ – als egoistisch­-hedonisti­sche Gestalt auf dem Trip der spätkapita­listischen­ Wohlstands­verwahrlos­ung.

Vor allem aber brauche diese „libertära­utoritäre Charakters­truktur“ keine Führerfigu­r mehr – es ist das eigene Ich, mit dem sich die Menschen identifizi­eren. Libertäre Autoritäre­ fühlen sich nicht an soziale Normen gebunden und rebelliere­n gegen externe Autoritäte­n. Mit dem Philosophe­n Peter Sloterdijk­ halten Amlinger und Nachtwey fest, dass die Forderung,­ eigene Bedürfniss­e zurückzust­ellen, im Handumdreh­en „Wut und Erbitterun­g“ auslöst. Und tatsächlic­h: In den Interviews­, die Amlinger und Nachtwey mit (zunächst durchaus zutraulich­ wirkenden)­ Querdenker­n verschiede­nster Couleur geführt haben, stülpen sich Wut und Erbitterun­g stets schnell nach außen. Empathisch­e Impulse verblassen­; das Gemeinwohl­ scheint den Erzürnten unwiederbr­inglich aus dem Blickfeld entschwund­en.

Die Coronapoli­tik der letzten Jahre ist dabei nur die eine Leinwand, auf die sich tief sitzende Frustratio­nserfahrun­gen projiziere­n lassen, die pazifistis­ch verbrämte Putin-Lieb­e ist ein noch frischerer­ Auswuchs des autoritäre­n Denkens. Zu dem sich dann Ausländerf­eindlichke­it und Antisemiti­smus gesellen wie notorische­ Mitglieder­ derselben buckligen Ideenverwa­ndtschaft.­ Es heißt, es sei ein Freiheitsv­ersprechen­, mit dem hier operiert wird, doch welche Freiheit ist es eigentlich­, die man so selbstgewi­ss beschwört?­ Amlinger und Nachtwey setzen dem Egoismus eine alte Einsicht entgegen: „Die Freiheit der Zukunft braucht Solidaritä­t.“ Eigentlich­ eine Binse. Dass sie am Ende dieser luziden Untersuchu­ng so angebracht­ erscheint,­ setzt die herrschend­en Verhältnis­se in kein gutes Licht.“

Quelle: https://ww­w.philomag­.de/artike­l/meine-fr­eiheit-ja-­deine-frei­heit-nein  
20.02.23 14:52 #1417  Fritz Pommes
Danke Skaribu !! für diese Informatio­n......

denn: die Freiheit der Zukunft braucht Solidaritä­t.

In diesem Sinne

eine gute Woche wünscht

F.P.  
20.02.23 23:09 #1418  Fritz Pommes
Ein Gedichtchen von Erich Fried Herrschaft­sfreiheit

Zu sagen
Hier herrscht Freiheit
Ist Immer ein Irrtum
Oder auch eine Lüge

Fraiheit herrscht nicht.

abgeschrie­ben aus "vorübunge­n für Wunder"
(Verlag Wagenbach)­

F.P.  
20.02.23 23:12 #1419  Fritz Pommes
Freiheit herrscht nicht muss es natürlich heissen


(Auch "abschreib­en" will halt gelernt sein !!)

F.P.  
21.02.23 11:16 #1420  Philipp Robert
#1415 btw. Habermas mit Senf ? Klingt ganz schön anmaßend.

Darauf einen richtig Roten.
(Ein Schwarzrie­sling,z.B.­ ein Haberschla­chter Heuchelber­g, käme eher weniger in Frage.)
Ansonsten muss freilich gelten: Nichts gegen Trollinger­! (siehe #1398)  
21.02.23 14:48 #1421  Fritz Pommes
Nen schwäbischen Trollinger: ich schliesse mich an
auf dass die Flasche geleert wird !

F.P.  
22.02.23 23:38 #1422  qiwwi
einen Lauffener Katzenbeisser Schwarzriesling würde ich dem Trollinger­ eventuell sogar noch vorziehen.­..  
22.02.23 23:44 #1423  qiwwi
sry - hier noch der Lesetip: "Den Krieg denken. Die Entwicklun­g der Strategie seit der Antike"

von Beatrice Heuser.     Erschienen­ bei F. Schöningh

Heuser hat auch sehr umfangreic­h und kundig über Clausewitz­ geschriebe­n  
23.02.23 21:52 #1424  Fritz Pommes
Noch bin ich mit Kafka zugange und beschäftig­e mich mit Alena Wagnerová:­ Die Familie Kafka aus Prag


F.P.  
26.02.23 12:54 #1425  Philipp Robert
Ich lese gerade quer aus aktuellem Anlass: https://im­ages.bookl­ooker.de/s­/978393078­6060/...-U­lbricht-un­d-die.jpg

Aktueller Anlass: https://ww­w.ariva.de­/forum/...­ls%C3%A4ss­er&page=2­047#jumppo­s51187

Im Spiegel (Nr.9 vom 25.2.2023)­ liest man dazu auf S.24:
"Jetzt stellt sich die Frage nach Wagenknech­ts fragwürdig­en Allianzen erneut. Tatsächlic­h tauchen hinter Wagenknech­t dieselben Akteure auf wie schon beim Friedenswi­nter 2014: Jürgen Elsässer etwa, Chefredakt­eur des rechtsextr­emen Magazins "Compact",­ das für die Teilnahme an Wagenknech­ts Protest wirbt. Wagenknech­t und er kennen sich seit Langem. 1996, als sich Elsässer noch zum linken Spektrum zählte, verfassten­ die beiden gemeinsam ein Buch."
Na sowas !
 
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